Energielabels gehören zu den sichtbarsten Elementen der europäischen Produktregulierung, doch die vertraute Effizienzskala, die Kunden gezeigt wird, ist nur ein Teil eines umfassenderen technischen und regulatorischen Konformitätssystems.
Die Verordnung (EU) 2017/1369 schafft den europäischen Rahmen für die Energieverbrauchskennzeichnung energieverbrauchsrelevanter Produkte. Produktspezifische delegierte Rechtsakte legen fest, welche Produkte ein Energielabel benötigen, welche Leistungsmerkmale anzugeben sind, wie Effizienzklassen berechnet werden und welche Informationen dem Produkt beiliegen müssen.
Die Energiekennzeichnung wirkt neben den Ökodesign-Vorschriften. Während Ökodesign verbindliche Leistungs- und Konstruktionsanforderungen an Produkte in seinem Anwendungsbereich festlegt, vermittelt die Energiekennzeichnung festgelegte Leistungsinformationen, damit Kunden Produkte vergleichen können.
Für viele regulierte Produkte müssen Lieferanten die betreffenden Modelle zudem in der Europäischen Produktdatenbank für die Energieverbrauchskennzeichnung – EPREL – registrieren und die nach den anwendbaren Rechtsvorschriften erforderlichen Produkt- und technischen Informationen bereitstellen.
Konformität umfasst daher wesentlich mehr als die Erstellung des richtigen farbigen Labels. Energieeffizienzklasse, angegebene Werte, Produktdatenblatt, technische Dokumentation, EPREL-Eintrag und das physische Produkt müssen sämtlich durch konsistente technische Nachweise gestützt sein.
Dieser GAR Insight erläutert den Rahmen der Energiekennzeichnung, ihr Verhältnis zum Ökodesign, Produktklassifizierung, Effizienzklassen, Prüfung, EPREL-Registrierung, Pflichten von Lieferanten und Händlern, technische Dokumentation sowie den praktischen Weg zur EU-Marktkonformität.
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Erfahren Sie mehr über den Rahmen der Energiekennzeichnung, Effizienzklassen, Produktinformationen, Prüfung, EPREL-Registrierung und das Verhältnis zwischen Energiekennzeichnung und Ökodesign-Konformität.
Die Verordnung (EU) 2017/1369 verstehen
Die Verordnung (EU) 2017/1369 schafft den europäischen Rahmen für die Energieverbrauchskennzeichnung energieverbrauchsrelevanter Produkte und hat den früheren Rahmen der Richtlinie 2010/30/EU ersetzt.
Ihr Zweck ist es, Kunden den Vergleich der Energieeffizienz und anderer relevanter Leistungsmerkmale regulierter Produkte anhand standardisierter Informationen zu ermöglichen.
Welche Produkte benötigen eine Energiekennzeichnung?
Anforderungen an die Energiekennzeichnung gelten über produktspezifische delegierte Rechtsvorschriften und nicht über eine allgemeine Kennzeichnungspflicht für alle Produkte, die Energie verbrauchen.
Hersteller und Importeure sollten daher zunächst feststellen, ob die genaue Produktkategorie von einer anwendbaren Maßnahme zur Energiekennzeichnung erfasst wird.
Haushaltsgeräte
Kühlschränke, Waschmaschinen, Geschirrspüler und bestimmte andere Haushaltsgeräte können eigenen Kennzeichnungsvorschriften unterliegen.
Beleuchtungsprodukte
Betroffene Lichtquellen unterliegen vorgeschriebenen Angaben zur Energieeffizienz und Kennzeichnung.
Elektronische Displays
Fernseher, Monitore und andere erfasste Displays können Energielabels und unterstützende Produktinformationen erfordern.
Heizgeräte
Bestimmte Raumheizgeräte, Kombiheizgeräte und verwandte Systeme unterliegen produktspezifischen Maßnahmen zur Energiekennzeichnung.
Warmwasserbereitung
Warmwasserbereiter, Warmwasserspeicher und entsprechende Verbundanlagen können unter spezifische Kennzeichnungsanforderungen fallen.
Weitere regulierte Produkte
Weitere Produktgruppen können durch eigene delegierte Rechtsvorschriften in den Rahmen der Energiekennzeichnung einbezogen werden.
Ökodesign vs. Energiekennzeichnung
Ökodesign und Energiekennzeichnung sind eng miteinander verbunden, dienen jedoch unterschiedlichen regulatorischen Zwecken.
Ökodesign
Legt verbindliche Anforderungen an Produktgestaltung, Energieeffizienz und zunehmend an die Umweltleistung fest, die betroffene Produkte erfüllen müssen, bevor sie auf dem europäischen Markt in Verkehr gebracht werden.
Energiekennzeichnung
Vermittelt standardisierte Informationen zu Effizienz und Produktleistung, damit Kunden Produkte innerhalb derselben regulierten Kategorie vergleichen können.
Die Energieskala von A bis G verstehen
Das moderne EU-Energielabel verwendet eine klare Effizienzklassifizierung, die Kunden den Leistungsvergleich erleichtern soll.
Für Produktgruppen im reskalierten System reichen die Klassen in der Regel von A bis G. Die anwendbare delegierte Verordnung legt die genaue Berechnungsmethodik und die Klassengrenzen fest.
Klasse A
Steht für die höchste Effizienzklasse der anwendbaren produktspezifischen Skala.
Mittlere Klassen
Die Klassen B bis F bilden abgestufte Leistungskategorien auf Grundlage des einschlägigen Effizienzindex oder der Berechnungsmethodik.
Klasse G
Steht für die niedrigste Klasse einer anwendbaren Skala von A bis G.
Produktspezifische Berechnung
Die Energieeffizienzklasse kann nicht subjektiv gewählt werden; sie muss sich aus dem in der anwendbaren Verordnung vorgeschriebenen Verfahren ergeben.
Was vermittelt das Energielabel?
Welche Angaben auf einem Energielabel erscheinen, hängt von der Produktkategorie ab. Neben der Effizienzklasse kann das Label produktspezifische Leistungsangaben enthalten, die für den Vergleich durch Käufer relevant sind.
Lieferant & Modell
Das Label verknüpft die angegebene Leistung mit einem identifizierbaren Lieferanten und Produktmodell.
Energieeffizienzklasse
Die zutreffende Effizienzeinstufung wird gemäß der vorgeschriebenen Klassifizierungsskala angezeigt.
Energieverbrauch
Anwendbare Labels können jährliche, programmbezogene oder andere standardisierte Energieverbrauchswerte enthalten.
Kapazität
Kühlvolumen, Füllmenge oder eine andere relevante Produktkapazität kann angezeigt werden.
Geräusch
Für betroffene Produktkategorien können Angaben zur akustischen Leistung enthalten sein.
QR-Code
Moderne Labels können digitalen Zugang zu Produktinformationen bieten, die mit der EPREL-Datenbank verknüpft sind.
Prüfung, Messung & Berechnung
Die angegebene Energieeffizienzklasse muss durch Messungen und Berechnungen gestützt sein, die nach der für die betreffende Produktgruppe geltenden Methodik durchgeführt wurden.
Energieverbrauch
Der Strom- oder Brennstoffverbrauch wird unter den durch die anwendbare Methodik festgelegten Betriebsbedingungen gemessen.
Effizienzindex
Bestimmte Produkte nutzen berechnete Effizienzindizes, um die zutreffende Energieeffizienzklasse zu bestimmen.
Funktionale Leistung
Kapazität, Waschleistung, Kühlleistung oder andere Funktionsparameter können die Bewertung beeinflussen.
Bereitschaftsverbrauch
Betriebsarten mit geringer Leistungsaufnahme können Teil der regulierten Bewertung der Energieeffizienz sein.
Akustische Leistung
Soweit erforderlich, können auch Luftschallemissionen gemessen und angegeben werden.
Repräsentatives Modell
Das zur Bewertung verwendete Produkt muss das in Verkehr gebrachte Modell oder die Modellfamilie angemessen repräsentieren.
EPREL-Registrierung
EPREL – die Europäische Produktdatenbank für die Energieverbrauchskennzeichnung – ist die europäische Datenbank, die die Umsetzung des Rahmens der Energiekennzeichnung unterstützt.
Für Modelle, die anwendbaren Registrierungspflichten unterliegen, müssen Lieferanten die erforderliche Produktregistrierung abschließen, bevor das betreffende Modell auf dem Unionsmarkt in Verkehr gebracht wird.
Identifikation des Lieferanten
Der betreffende Wirtschaftsakteur muss im EPREL-System korrekt angelegt und, soweit erforderlich, verifiziert sein.
Modellregistrierung
Jedes regulierte Modell muss gemäß den anwendbaren EPREL-Informationsanforderungen eingetragen werden.
Label & Produktdatenblatt
Die erforderlichen Unterlagen zur Energiekennzeichnung werden mit dem registrierten Produktmodell verknüpft.
Technische Informationen
Erforderliche technische Daten unterstützen den Zugang von Regulierungs- und Marktüberwachungsbehörden zu Produktinformationen.
Pflichten der Lieferanten
Im Rahmen der Energiekennzeichnung tragen Lieferanten zentrale Verantwortung dafür, dass regulierten Produkten korrekte Labels und Produktinformationen beiliegen.
Pflichten der Händler
Händler spielen eine wichtige Rolle, denn der Zweck der Energiekennzeichnung besteht darin, sicherzustellen, dass relevante Informationen für Kunden bei ihrer Kaufentscheidung sichtbar sind.
Anzeige des Labels
Erforderliche Energielabels sollten an der Verkaufsstelle gemäß den anwendbaren Anforderungen korrekt angezeigt werden.
Kundeninformation
Erforderliche ergänzende Produktinformationen sollten den Käufern zur Verfügung stehen.
Werbung
Energiebezogene Informationen müssen gegebenenfalls in Werbematerialien erscheinen, soweit die anwendbaren Rechtsvorschriften dies verlangen.
Online-Verkauf
Auch digitale Produktangebote müssen die einschlägigen Anforderungen an die Anzeige des Energielabels und an Produktinformationen erfüllen.
Technische Dokumentation hinter dem Energielabel
Die Kunden angezeigten Informationen sollten durch ein stimmiges technisches Nachweispaket gestützt sein, das zeigt, wie jeder regulierte Wert ermittelt wurde.
Online-, Fernabsatz & digitale Produktinformationen
Die Anforderungen an die Energiekennzeichnung beschränken sich nicht auf den stationären Handel. Für online oder über andere Fernabsatzkanäle verkaufte Produkte müssen dem Kunden gegebenenfalls ebenfalls vorgeschriebene Energieinformationen vor dem Kauf angezeigt werden.
E-Commerce-Angebote
Relevante Produktseiten sollten die erforderlichen Energieinformationen gemäß den anwendbaren Rechtsvorschriften anzeigen.
Visuelle Energieeffizienzklasse
Regeln für die digitale Anzeige können vorschreiben, wie Energieeffizienzklasse und Label dargestellt werden.
Zugang zum Produktdatenblatt
Kunden sollten, soweit anwendbar, auf die erforderlichen Produktinformationen zugreifen können.
Konsistente Modelldaten
Online-Spezifikationen sollten dem registrierten und technisch belegten Produktmodell entsprechen.
Marktüberwachung & Überprüfung
Energielabels beruhen auf angegebenen technischen Werten, doch diese Angaben müssen für die zuständigen Behörden überprüfbar bleiben.
Die Marktüberwachung kann die Prüfung von Dokumentation, Produktinformationen und EPREL-Daten sowie Prüfungen repräsentativer Produkte nach vorgeschriebenen Nachprüfungsverfahren umfassen.
Prüfung der Dokumentation
Behörden können die Nachweise prüfen, die angegebene Leistung und Klassifizierung stützen.
Produktprüfung
Repräsentative Produkte können nach den anwendbaren Nachprüfungsverfahren unabhängig geprüft werden.
EPREL-Abgleich
Registrierte Produktinformationen können mit dem tatsächlich auf dem Markt bereitgestellten Produkt verglichen werden.
Korrekturmaßnahmen
Erhebliche Abweichungen können nach geltendem Recht zu erforderlichen Korrekturen, Beschränkungen oder anderen Durchsetzungsmaßnahmen führen.
Häufige Fehler bei der Energiekennzeichnung
Annahme, dass jedes Produkt ein Label benötigt
Der Hersteller versäumt festzustellen, ob tatsächlich ein geltender produktspezifischer delegierter Rechtsakt anwendbar ist.
Verwendung eines veralteten Labels
Eine frühere Labelskala oder ein veraltetes produktspezifisches Format wird nach regulatorischen Änderungen weiterverwendet.
Falsche Energieeffizienzklasse
Die angegebene Klasse wird nicht nach der anwendbaren regulatorischen Methodik berechnet.
Falsches Prüfverfahren
Die Prüfung erfolgt unter Bedingungen, die nicht dem vorgeschriebenen Verfahren entsprechen.
Fehlende EPREL-Registrierung
Ein reguliertes Modell wird auf dem Unionsmarkt in Verkehr gebracht, ohne dass die anwendbaren Registrierungspflichten erfüllt wurden.
Inkonsistente Produktdaten
Auf Label, technischer Akte, Produktdatenblatt und EPREL-Eintrag erscheinen unterschiedliche Leistungswerte.
Online-Verkauf vernachlässigt
Die Energieinformationen sind am physischen Produkt korrekt, fehlen aber in digitalen Vertriebskanälen oder sind dort fehlerhaft.
CE-Kennzeichnung & Energiekennzeichnung verwechselt
Der Hersteller betrachtet das Energielabel fälschlicherweise als Nachweis, der den umfassenderen CE-Konformitätsprozess ersetzt.
Von der Produktklassifizierung zum Inverkehrbringen in der EU
Ein wirksames Konformitätsprogramm zur Energiekennzeichnung sollte die anwendbaren Produktvorschriften und die technische Methodik festlegen, bevor Labels erstellt oder Produktdaten registriert werden.
Produkt definieren
Modell, Funktion, bestimmungsgemäße Verwendung und technische Konfiguration festlegen.
Produkt klassifizieren
Die anwendbare europäische Produktkategorie bestimmen.
Kennzeichnungsvorschriften ermitteln
Feststellen, ob ein delegierter Rechtsakt zur Energiekennzeichnung anwendbar ist.
Ökodesign prüfen
Zugehörige Mindestanforderungen an Leistung und Konstruktion ermitteln.
Prüfverfahren auswählen
Anwendbare Normen und regulatorische Messverfahren festlegen.
Produkt prüfen
Repräsentative technische Leistungsdaten erzeugen.
Energieeffizienzklasse berechnen
Die vorgeschriebene Methodik zur Effizienzklassifizierung anwenden.
Produktdatenblatt erstellen
Vorgeschriebene Produkt- und Leistungsinformationen zusammenstellen.
Energielabel erstellen
Das korrekte Label mit validierten Modelldaten erzeugen.
In EPREL registrieren
Die erforderlichen Prozesse zur Lieferanten- und Modellregistrierung abschließen.
Verkaufsinformationen prüfen
Produktinformationen im stationären Handel, in der Werbung und online prüfen.
Inverkehrbringen
Das Produkt bereitstellen, sobald die anwendbaren Kennzeichnungs- und weiteren EU-Konformitätsanforderungen erfüllt sind.
Von der technischen Leistung zu transparenten Energieinformationen
Die Energiekennzeichnung hat komplexe technische Informationen zur Produktleistung in ein Format übertragen, das Kunden verstehen und vergleichen können. Hinter diesem scheinbar einfachen Label steht jedoch eine detaillierte Konformitätsstruktur aus Produktklassifizierung, Prüfung, Berechnung, technischer Dokumentation und regulatorischem Datenmanagement.
Die Verordnung (EU) 2017/1369 bildet den Gesamtrahmen, während produktspezifische delegierte Rechtsakte festlegen, welche Produkte erfasst sind, wie die Leistung zu messen ist und welche Informationen bereitzustellen sind.
Das Energielabel muss zudem zusammen mit den Ökodesign-Anforderungen betrachtet werden. Ökodesign bestimmt, ob betroffene Produkte verbindliche Markteintrittsanforderungen erfüllen, während die Energiekennzeichnung Käufern die vergleichende Produktleistung vermittelt.
EPREL fügt eine weitere wichtige Ebene hinzu, indem regulierte Produktmodelle mit einer europäischen Produktdatenbank verknüpft werden. Der Lieferant muss daher die Übereinstimmung zwischen physischem Produkt, Labornachweisen, Effizienzberechnungen, technischer Dokumentation, Label, Produktdatenblatt, EPREL-Registrierung und Verkaufsinformationen sicherstellen.
Die technische Frage
Lässt sich jeder auf dem Energielabel angezeigte Leistungswert auf die anwendbare regulatorische Methodik, repräsentative Prüfungen und kontrollierte technische Nachweise zurückführen?
Die Marktfrage
Geben die in EPREL, im Einzelhandel, in der Werbung und in Online-Verkaufskanälen sichtbaren Produktinformationen das bereitgestellte regulierte Produkt zutreffend wieder?
