Energieeffizienz und Umweltleistung sind zu grundlegenden Konstruktionskriterien für Produkte auf dem europäischen Markt geworden. Der EU-Ökodesign-Rahmen hat diese Ziele schrittweise in rechtlich durchsetzbare Produktanforderungen umgesetzt.
Die Richtlinie 2009/125/EG schuf den europäischen Rahmen für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen an energieverbrauchsrelevante Produkte und bildete die Rechtsgrundlage für zahlreiche produktspezifische Durchführungsverordnungen für Geräte von Elektromotoren und Pumpen bis hin zu Heizung, Kühlung, Beleuchtung und elektronischen Produkten.
Die Richtlinie legte keine einheitliche Effizienzanforderung für alle Produkte fest. Stattdessen wurden detaillierte Anforderungen über Durchführungsmaßnahmen eingeführt, die einzelne Produktgruppen, deren Leistungsmerkmale, Messverfahren, Informationsanforderungen und Konformitätsverfahren behandeln.
Der Regulierungsrahmen ist nun in eine neue Phase eingetreten. Die Verordnung (EU) 2024/1781 – die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, allgemein als ESPR bezeichnet – schafft einen wesentlich breiteren Rahmen, der ökologische Nachhaltigkeit über die klassische Energieeffizienz hinaus behandelt.
Bestehende produktspezifische Ökodesign-Maßnahmen bleiben während dieses Übergangs von großer Bedeutung. Hersteller müssen daher sowohl die etablierten Anforderungen aus der Richtlinie 2009/125/EG als auch die sich entwickelnden Pflichten aus dem ESPR-Rahmen verstehen.
Dieser GAR Insight erläutert, wie der Ökodesign-Rahmen funktioniert, wie produktspezifische Anforderungen ermittelt werden, wie Prüfung und technische Dokumentation die Konformität stützen, wie die CE-Kennzeichnung mit der Ökodesign-Konformität zusammenhängt und wie sich das Regulierungssystem hin zu umfassender Produktnachhaltigkeit entwickelt.
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Erfahren Sie mehr über den Ökodesign-Rahmen, produktspezifische Anforderungen, Prüfung, Konformitätsbewertung, CE-Kennzeichnung und den Übergang zur Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte.
Die Richtlinie 2009/125/EG verstehen
Die Richtlinie 2009/125/EG schuf einen Rahmen für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen an energieverbrauchsrelevante Produkte, die in der Europäischen Union bereitgestellt werden.
Ihr zentrales Ziel war es, die Umweltleistung von Produkten zu verbessern und zugleich das Funktionieren des europäischen Binnenmarkts durch harmonisierte Produktanforderungen zu unterstützen.
Von der Ökodesign-Richtlinie zur ESPR
Der europäische Rahmen für Produktnachhaltigkeit hat sich mit der Annahme der Verordnung (EU) 2024/1781 zur Schaffung eines Rahmens für die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen für nachhaltige Produkte erheblich verändert.
Die neue Rechtsvorschrift ist allgemein als Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte – ESPRbekannt. Sie erweitert den europäischen Ökodesign-Ansatz über den klassischen Schwerpunkt auf energieverbrauchsrelevanten Produkten und Energieeffizienz hinaus.
Richtlinie 2009/125/EG
Konzentrierte sich auf die Festlegung von Ökodesign-Anforderungen an energieverbrauchsrelevante Produkte über produktspezifische Durchführungsmaßnahmen.
Verordnung (EU) 2024/1781 — ESPR
Schafft einen breiteren Rahmen für Produktnachhaltigkeit, der Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Kreislaufwirtschaft, Ressourcennutzung, ökologischen Fußabdruck, Produktinformationen und weitere Nachhaltigkeitsmerkmale behandeln kann.
Was ist ein energieverbrauchsrelevantes Produkt?
Der im Rahmen der Richtlinie 2009/125/EG entwickelte Ökodesign-Rahmen erfasste energieverbrauchsrelevante Produkte – Produkte, die direkt Energie verbrauchen oder sich anderweitig während der Nutzung auf den Energieverbrauch auswirken.
Der Produktumfang wird durch die jeweilige Durchführungsmaßnahme festgelegt. Ein Hersteller sollte daher niemals annehmen, dass ein Produkt nur deshalb Ökodesign-Anforderungen unterliegt, weil es Strom, Gas oder eine andere Energieform nutzt.
Elektromotoren & Antriebe
Industriemotoren und drehzahlvariable Antriebe können spezifischen Mindestanforderungen an die Energieeffizienz unterliegen.
Pumpen & Ventilatoren
Pumpen, Umwälzpumpen und Lüftungsgeräte können unter produktspezifische Ökodesign-Maßnahmen fallen.
Heizgeräte
Heizkessel, Raumheizgeräte, Warmwasserbereiter und verwandte Produkte können eigene Ökodesign-Anforderungen haben.
Kühlung & Kälte
Kälte-, Klima- und Kühlgeräte können Anforderungen an die Energieeffizienz unterliegen.
Beleuchtung & Elektronik
Beleuchtungsprodukte, Displays, Netzteile und bestimmte elektronische Geräte werden durch eigene Maßnahmen erfasst.
Industrieausrüstung
Transformatoren und andere energieverbrauchsrelevante Industrieprodukte können ebenfalls unter den Ökodesign-Rahmen fallen.
Wie produktspezifische Ökodesign-Anforderungen funktionieren
Der Ökodesign-Rahmen schafft die rechtliche Architektur, während einzelne Durchführungsmaßnahmen die detaillierten Anforderungen für bestimmte Produktgruppen festlegen.
Diese produktspezifischen Maßnahmen können Mindestleistungsschwellen, Messverfahren, Informationsanforderungen und andere technische Pflichten festlegen, die erfüllt sein müssen, bevor ein erfasstes Produkt auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht wird.
Produktdefinition
Die Durchführungsmaßnahme legt fest, welche Produkte und Konfigurationen in ihren Anwendungsbereich fallen.
Mindestanforderungen
Verbindliche Schwellenwerte für Effizienz oder Umweltleistung können darüber entscheiden, ob das Produkt in den Markt gelangen darf.
Messverfahren
Vorgeschriebene Berechnungen, Prüfbedingungen und Messverfahren legen fest, wie die Leistung zu bestimmen ist.
Informationsanforderungen
Technische Unterlagen, Handbücher, Websites oder Produktdokumentation müssen gegebenenfalls festgelegte Leistungsinformationen enthalten.
Was können Ökodesign-Anforderungen behandeln?
Ökodesign-Anforderungen können weit mehr als einen einzelnen gemessenen Energieeffizienzwert betreffen. Ihr genauer Inhalt hängt von der jeweiligen Produktvorschrift ab.
Energieeffizienz
Mindestschwellen für die Energieeffizienz können festlegen, ob ein Produkt auf dem europäischen Markt in Verkehr gebracht werden darf.
Leistungsaufnahme
Die Leistungsaufnahme im Betrieb, im Bereitschaftszustand, im vernetzten Bereitschaftsbetrieb oder im Aus-Zustand kann bei betroffenen Produkten reguliert sein.
Funktionale Leistung
Effizienzanforderungen können mit der tatsächlichen Produktleistung verknüpft sein, damit Energieeinsparungen die vorgesehene Funktion nicht beeinträchtigen.
Ressourceneffizienz
Bestimmte Maßnahmen behandeln zunehmend Werkstoffe, Bauteile, Instandhaltung und Ressourcennutzung.
Reparatur & Ersatzteile
Anwendbare Vorschriften können Anforderungen an Reparaturzugang, Ersatzteilverfügbarkeit und Produktwartung enthalten.
Produktinformationen
Hersteller müssen gegebenenfalls vorgeschriebene technische, umwelt- oder leistungsbezogene Informationen veröffentlichen.
Prüfung, Messung & technische Bewertung
Eine verlässliche Ökodesign-Konformität hängt von Leistungsdaten ab, die nach den für das Produkt geltenden Mess- und Berechnungsverfahren ermittelt wurden.
Die erforderliche Bewertung kann je nach Produktart erheblich variieren und Laborprüfungen, technische Berechnungen, technische Bewertungen oder eine Kombination daraus umfassen.
Energieverbrauch
Der Strom-, Brennstoff- oder sonstige Energieverbrauch muss gegebenenfalls unter vorgeschriebenen Betriebsbedingungen gemessen werden.
Effizienz
Die Produkteffizienz muss gegebenenfalls bei festgelegten Lastpunkten, Temperaturen oder Betriebsbedingungen ermittelt werden.
Bereitschafts- & Aus-Zustand
Betriebszustände mit geringer Leistungsaufnahme können bei betroffenen Produkten eigenen Leistungsgrenzwerten unterliegen.
Saisonale Leistung
Heiz- und Kühlprodukte können Berechnungen erfordern, die die Leistung über repräsentative saisonale Betriebsbedingungen abbilden.
Funktionsprüfung
Leistungsmessungen müssen gegebenenfalls bestätigen, dass Effizienzverbesserungen die erforderliche Produktfunktion nicht beeinträchtigen.
Ressourcenbezogene Leistung
Gegebenenfalls können auch Haltbarkeit, Reparierbarkeit oder andere ressourcenbezogene Merkmale unterstützende technische Nachweise erfordern.
Ökodesign-Konformitätsbewertung
Bevor ein Produkt, das anwendbaren Ökodesign-Anforderungen unterliegt, auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht wird, muss der Hersteller die Konformität mit den einschlägigen rechtlichen und technischen Anforderungen feststellen.
Das genaue Bewertungsverfahren hängt von der anwendbaren Rechtsvorschrift ab, doch ein strukturierter Konformitätsprozess verknüpft in der Regel Produktklassifizierung, technische Anforderungen, Verifizierungsnachweise, Dokumentation und Produktionskontrolle.
| Phase | Zweck | Zentrale Frage |
|---|---|---|
| Anwendbarkeit | Feststellen, ob das Produkt reguliert ist. | Welche Ökodesign- oder ESPR-Anforderungen gelten für genau dieses Produkt? |
| Technische Anforderungen | Verbindliche Konstruktions- und Leistungskriterien ermitteln. | Welche Grenzwerte, Berechnungen und Informationspflichten müssen erfüllt werden? |
| Verifizierung | Verlässliche Konformitätsnachweise erzeugen. | Welche Prüfungen, Messungen oder Berechnungen belegen die Konformität? |
| Dokumentation | Das technische Nachweispaket aufbauen. | Kann die Konformität gegenüber einer Marktüberwachungsbehörde nachgewiesen werden? |
| Produktionskontrolle | Konformität der hergestellten Produkte aufrechterhalten. | Stimmt die laufende Produktion mit der bewerteten Konstruktion überein? |
Ökodesign & CE-Kennzeichnung
Die CE-Kennzeichnung sollte als Abschluss des anwendbaren europäischen Konformitätsprozesses verstanden werden und nicht als eigenständige Produktzulassung.
Verlangt die anwendbare Ökodesign-Maßnahme eine CE-Kennzeichnung, muss der Hersteller die Konformität mit den einschlägigen Anforderungen feststellen, bevor die Kennzeichnung angebracht und das Produkt in Verkehr gebracht wird.
Anwendbare Rechtsvorschriften ermitteln
Die Ökodesign-Maßnahme und alle anderen für das Produkt geltenden EU-Rechtsvorschriften bestimmen.
Das Produkt bewerten
Die erforderlichen Prüfungen, Berechnungen und technischen Konformitätsbewertungen abschließen.
Dokumentation erstellen
Die Nachweise zusammenstellen, die belegen, dass das Produkt die anwendbaren Anforderungen erfüllt.
Erklären & kennzeichnen
Das anwendbare Erklärungsverfahren abschließen und die CE-Kennzeichnung erst anbringen, wenn die erforderlichen Konformitätspflichten erfüllt sind.
Technische Dokumentation
Die technische Dokumentation liefert die Nachweise, die Konstruktion und Leistung des Produkts mit den anwendbaren Ökodesign-Anforderungen verknüpfen.
Der genaue Inhalt hängt von der einschlägigen Durchführungsmaßnahme und anderen anwendbaren EU-Rechtsvorschriften ab, doch die Dokumentation sollte so vollständig sein, dass sie nachweist, wie die Konformität festgestellt wurde.
Ökodesign wirkt selten allein
Viele energieverbrauchsrelevante Produkte fallen gleichzeitig unter mehrere europäische Regulierungsrahmen.
Die Ökodesign-Leistung sollte daher als Bestandteil einer umfassenderen Produktkonformitätsstrategie bewertet werden und nicht als isoliertes Konformitätsprojekt.
Elektrische Sicherheit
Elektrische Produkte müssen gegebenenfalls anhand der anwendbaren Niederspannungsanforderungen bewertet werden.
Elektromagnetische Verträglichkeit
Elektronische und elektrische Produkte können zudem eine EMV-Bewertung erfordern.
Maschinen
Industrieausrüstung kann auch unter die anwendbaren europäischen Maschinenvorschriften fallen.
RoHS
Elektrische und elektronische Produkte können eine Konformitätsbewertung hinsichtlich beschränkter Stoffe erfordern.
Funkanlagen
Vernetzte Produkte mit Funkfunktion können eine zusätzliche Konformitätsbewertung erfordern.
Weitere Produktvorschriften
Je nach Konstruktion und Funktion des Produkts können auch Vorschriften für Druckgeräte, Gasgeräte, Chemikalien und andere sektorspezifische Rechtsvorschriften gelten.
Ökodesign & Energiekennzeichnung
Ökodesign und Energiekennzeichnung sind eng verwandte europäische Politikinstrumente, erfüllen jedoch unterschiedliche regulatorische Funktionen.
Ökodesign legt verbindliche Produktanforderungen fest, während die anwendbaren Vorschriften zur Energiekennzeichnung Käufern vergleichende Informationen zur Energieeffizienz vermitteln.
Ökodesign
Legt verbindliche Anforderungen an Konstruktion, Energieeffizienz oder Umweltleistung fest, die betroffene Produkte erfüllen müssen, bevor sie auf dem europäischen Markt in Verkehr gebracht werden.
Energiekennzeichnung
Stellt vorgeschriebene vergleichende Informationen bereit, mit denen Verbraucher und gewerbliche Käufer die Energieeffizienz von Produkten innerhalb der betreffenden Kategorien beurteilen können.
Produktdaten
Angegebene Werte sollten der anwendbaren Mess- und Berechnungsmethodik entsprechen.
Energielabel
Soweit erforderlich, muss das Produkt das entsprechende Label und die zugehörigen Informationen tragen.
Produktinformationen
Lieferanten müssen gegebenenfalls vorgeschriebene technische und leistungsbezogene Informationen bereitstellen.
EPREL
Produkte, die anwendbaren Registrierungspflichten unterliegen, müssen gegebenenfalls in die Europäische Produktdatenbank für die Energieverbrauchskennzeichnung eingetragen werden.
ESPR & der Digitale Produktpass
Die Verordnung (EU) 2024/1781 erweitert das Ökodesign-Konzept erheblich, indem sie einen Rahmen schafft, über den Nachhaltigkeitsanforderungen für ein wesentlich breiteres Produktspektrum entwickelt werden können.
Künftige produktspezifische Anforderungen im Rahmen der ESPR können über die klassische Energieeffizienz hinausgehen und zunehmend die gesamte Nachhaltigkeitsleistung von Produkten über ihren Lebenszyklus hinweg behandeln.
Haltbarkeit
Produktanforderungen können zunehmend die erwartete Nutzungsdauer, die Widerstandsfähigkeit gegen Verschleiß und die dauerhafte Leistung berücksichtigen.
Reparierbarkeit
Konstruktions- und Informationsanforderungen können Wartung, Demontage und Reparatur unterstützen.
Wiederverwendbarkeit
Produkte und Bauteile können zunehmend im Hinblick auf Wiederverwendung und verlängerte Nutzungsdauer bewertet werden.
Ressourceneffizienz
Materialeinsatz, Abfallaufkommen und effizienter Ressourcenverbrauch können zu relevanten Konstruktionsparametern werden.
Rezyklatanteil
Produktspezifische Anforderungen können die Verwendung und Dokumentation recycelter Materialien behandeln.
Ökologischer Fußabdruck
Die Bewertung der Produktnachhaltigkeit kann zunehmend über den in der Nutzungsphase verbrauchten Energiebedarf hinausgehen.
Digitaler Produktpass
Eines der wichtigsten Elemente des ESPR-Rahmens ist der Digitale Produktpass. Für Produktgruppen, für die er anwendbar wird, kann der Pass strukturierten Zugang zu vorgeschriebenen Produkt-, Nachhaltigkeits-, Konformitäts- und Rückverfolgbarkeitsinformationen bieten.
Produktidentifikation
Digitale Informationen können das physische Produkt mit seinen relevanten regulatorischen und Nachhaltigkeitsdaten verknüpfen.
Rückverfolgbarkeit
Lieferketten- und Produktinformationen können über den gesamten Produktlebenszyklus leichter zugänglich gemacht werden.
Nachhaltigkeitsinformationen
Anwendbare Umweltmerkmale können über strukturierte digitale Datensätze kommuniziert werden.
Konformitätsinformationen
Relevante Konformitäts- und Regulierungsinformationen können für Behörden und Marktteilnehmer transparenter werden.
Häufige Fehler bei der Ökodesign-Konformität
Nur die Richtlinie 2009/125/EG heranziehen
Der Hersteller berücksichtigt die Rahmengesetzgebung, ohne die anwendbaren produktspezifischen Anforderungen oder den aktuellen ESPR-Kontext zu ermitteln.
Falsche Produktklassifizierung
Die Prüfung beginnt, bevor die genaue Produktkategorie und die anwendbare Durchführungsmaßnahme feststehen.
Prüfung nach falscher Methode
Die Energieeffizienz wird mit einer Methode gemessen, die nicht den anwendbaren rechtlichen Anforderungen entspricht.
Unvollständige technische Akte
Leistungswerte erscheinen in der Dokumentation ohne ausreichende Berechnungen, Berichte oder Konstruktionsnachweise.
Andere EU-Rechtsvorschriften übersehen
Ökodesign wird bewertet, während elektrische Sicherheit, EMV, RoHS, Maschinen- oder andere anwendbare Anforderungen übersehen werden.
Ökodesign & Energielabel verwechseln
Die beiden Regulierungsmechanismen werden so behandelt, als würde die Erfüllung des einen automatisch auch den anderen erfüllen.
Unkontrollierte Produktänderungen
Bauteile, Software, Steuerungen oder Konstruktion werden geändert, ohne deren Auswirkung auf die Energie- oder Umweltleistung zu bewerten.
ESPR-Übergang ignorieren
Der Hersteller konzentriert sich ausschließlich auf bisherige Ökodesign-Anforderungen, ohne neu entstehende Nachhaltigkeits- und Produktinformationspflichten zu verfolgen.
Von der Produktklassifizierung zum EU-Marktzugang
Ein strukturiertes Ökodesign-Konformitätsprogramm sollte den regulatorischen Weg festlegen, bevor Prüfung, Dokumentation und CE-Kennzeichnung erfolgen.
Produkt definieren
Bestimmungsgemäße Verwendung, Funktionen, Energiequelle, Modell und technische Konfiguration festlegen.
Produkt klassifizieren
Die anwendbare europäische Produktkategorie bestimmen.
EU-Rechtsvorschriften erfassen
Ökodesign-, ESPR- und alle anderen anwendbaren EU-Anforderungen ermitteln.
Maßnahme ermitteln
Die produktspezifische Durchführungsverordnung oder sonstige anwendbare Anforderung feststellen.
Anforderungen bestimmen
Effizienzgrenzwerte, Konstruktionskriterien und Informationspflichten ermitteln.
Normen auswählen
Anwendbare Mess-, Berechnungs- und Prüfverfahren festlegen.
Prüfungen durchführen
Repräsentative Leistungs- und technische Nachweise erzeugen.
Ergebnisse bewerten
Gemessene und berechnete Leistung mit den rechtlichen Anforderungen vergleichen.
Technische Akte erstellen
Technische, Prüf-, Berechnungs- und Konformitätsnachweise zusammenstellen.
Produktinformationen vervollständigen
Erforderliche technische, energie- und umweltbezogene Informationen erstellen.
Konformität erklären
Die erforderliche Erklärung zu den anwendbaren EU-Rechtsvorschriften abschließen.
CE-Kennzeichnung & Inverkehrbringen
Die erforderliche Kennzeichnung anbringen, nachdem die anwendbaren Konformitätspflichten erfüllt sind.
Von der Energieeffizienz zur nachhaltigen Produktgestaltung
Die Richtlinie 2009/125/EG spielte eine grundlegende Rolle dabei, die europäische Energieeffizienzpolitik in produktspezifische technische Anforderungen umzusetzen. Durch die in ihrem Rahmen entwickelten Durchführungsmaßnahmen wurden zahlreiche Kategorien energieverbrauchsrelevanter Produkte harmonisierten Leistungs-, Mess- und Produktinformationsanforderungen unterworfen.
Ökodesign-Konformität war jedoch nie eine Frage der Anwendung eines einzigen universellen Effizienzwerts. Hersteller müssen die genaue Produktkategorie bestimmen, die anwendbare Durchführungsmaßnahme ermitteln, die erforderlichen technischen Merkmale festlegen und Nachweise mit den vorgeschriebenen Mess- und Berechnungsverfahren erzeugen.
Dieser Regulierungsansatz entwickelt sich nun weiter. Die Verordnung (EU) 2024/1781 schafft einen wesentlich breiteren europäischen Rahmen, der neben klassischen Energieaspekten auch Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft, Umweltleistung und digitale Produktinformationen behandeln kann.
Hersteller, die den europäischen Markt beliefern, sollten die Ökodesign-Konformität daher als integrierten technischen und regulatorischen Prozess steuern. Produktgestaltung, Prüfung, Berechnungen, technische Dokumentation, Produktionskontrollen, Produktinformationen und Erklärungen sollten alle dem tatsächlich in Verkehr gebrachten Produkt entsprechen.
Die Leistungsfrage
Wurde die Energie- und Umweltleistung des Produkts anhand der Anforderungen und Methoden ermittelt, die für seine genaue regulatorische Kategorie gelten?
Die Regulierungsfrage
Kann der Hersteller nachweisen, dass das Produkt den gesamten europäischen Konformitätsrahmen erfüllt, der zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens gilt?
